SOAD *live* Part II: ...dancing in the desert blowing up the sunshine!


"Last night something special happened at our show in Berlin that i've never witnessed before. I think this clip speaks for itself. any thoughts? http://www.youtube.com/watch?v=DoveGYfz7aA"
 Shavo on Facebook 
Das erste große Konzerterlebnis mit System Of A Down im Regen war grandios, aber auch Kräfte verzehrend: Muskelkater an allen erdenklichen Stellen, ein Gefühl von versunkener Dumpfheit des Kopfes, Schwäche für mehrere Tage. Im Endeffekt habe ich einen musikalisch induzierten Rausch erlebt, der natürlich ausgekatert werden musste. Nicht schlecht für jemanden, der keine Droge, ob legal oder illegal, zu sich nimmt. Aber es spricht auch für SOAD, die jeder Psych-Rock-Band in ihrer Wirkung voraus ist. IN YOUR FACE with...
... SYSTEM OF A DOWN.
Phase II
Die Wuhlheide in Berlin verspricht einiges, die Kindl-Bühne befindet sich in einer riesigen Parkanlage, die zu sozialisitischen Zeiten mit dem Badesee ein idyllischer Ort gewesen sein müsste - doch wie so oft in Osteuropa finden sich viele verlassene Gebäude, und vieles sieht schon jetzt wie Relikt alter Zivilisationen aus... in gewissem Sinne kommt das ebenso einer Endzeit-nostalgischen Idylle gleich. Und doch ist der Park voller Menschen. Sie tragen hauptsächlich schwarze T-Shirts, doch ein Metal-Konzert ist es im klassischen Sinne nicht, es finden sich in großer Bandbreite verschiedene Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen. 
2005 war ich ebenfalls hier, um meine Feuertaufe mit dem "Reise, Reise"-Konzert von RAMMSTEIN zu erleben. Nun sollte ich hier nach 6 Jahren meine zweite Patenband live erleben, die ich aber noch viel eher als mein eigentliches Herz empfinde.

Während die Rock Am Ring-Centerstage mit ihrem Publikum einem riesigen Meer gleichkommt, in denen Mahlströme von Circle-Pits entstehen, so sehe ich hier eher eine große Arena, ein Theater, das allein für den unvergesslichen Bocksgesang dient. Alles drängt und drückt sich, im vorderen Bereich ist kaum Bewegungsfreiheit gegeben, doch das ändert nichts an der Auslenkung der Schwingungen, welche die Fans durchströmt. Ich habe mich in die vordersten Reihen begeben, Fotos geschossen und gequetscht zwischen anderen Menschenleibern die Musik in mich überführt.

Let's get ready to rumble!

System Of A Down spielen genauso verrückt wie 10 Tage zuvor, nur haben sie dieses Mal das miauende "Darts" rausgenommen und ihre Setlist mit politischen Beiträgen erweitert, die seltsamer Weise in Rock Am Ring irgendwie gefehlt haben. Das wuchtige und biblische "Holy Mountains" wird perfekt vom Gebirgszug hinter der Band unterstrichen und mit dem wütenden "P.L.U.C.K." führen sie sogleich ihre zwei klassischen Lieder über den armenischen Genozid von 1915 an. Serj lobt Deutschland für ihre führende Rolle in Sachen regenerative Energien und spricht sich gegen die türkische Regierung aus, und nicht gegen die türkischen Leute - denn System Of A Down lieben jeden. Aber ihre Regierung muss für den Völkermord und die Verleugnung bezahlen.

"Can you tell me, dear grandmother, of your childhood from hunger and pain, of the orphans you called brothers...?"

So spielen sie sich in das armenische Volkslied "Sartarabad" ein, mit dem Link oben und dem Text unten zum Mitsingen...


Yerp chee mnoom yelk oo djar,
Khentern en kdnoum hnar.
Aisbes dzakets, arekagets
Sartarabadi marduh medz.

Zanker, ghoghanchek, 
Srpazan kacherin ganchek 
Ais artar badits.


SOAD scheint begeistert zu sein vom Publikum, Serj ist amazed und wahrlich sprachlos, während Shavon noch Tage danach bei Facebook Video-Links postet von einem spektakulären Mosh-Pit bei "War?", der sich wie ein galaktisches Weltall-Phänomen plötzlich gebildet hat und einem spiraligen Loch in der Materie der Ontologie schlechthin gleichkommt (sogar ein Filmchen von Greg Watermann war dabei, der quasi als fünfter Mann Video- und Fotoaufnahmen während der Show gemacht hat - ich hoffe, dass er mich gut im Bild aufgefangen hat). Ich war wieder einmal komplett durchnässt, aber diesmal nicht vom Regen, sondern von Schweiß -  meinen und dem Schweiß anderer, der allein für System Of A Down vergossen wurde.

Daron, Shavo, John und Serj haben diesen Sommer bestätigt, was ich immer angenommen habe: dass diese Band mir das intensivste Musikerlebnis bieten kann und insgesamt den tiefsten Einfluss auf mich hat, noch vor allem anderen, ob Musik, Literatur oder Film. Eine Leidenschaft bindet mich an diese Band, die seit ihrer Kernentstehung in meiner frühen Jugend nur noch stärker geworden ist. Bis vor kurzem war trotz meiner vielen Konzerterfahrungen die Rammstein-Show von 2005 immer noch die Beste: Es kamen viele Momente nah heran, die ich heute noch klar als meine Lieblingskonzerte in Erinnerung behalte - ob Madsen, In Flames, Wolfmother mit The Black Angels oder dreimal Serj Tankian. Aber Rammstein müssen ihre Krone weiterreichen an die vier armenischen Brüder aus Los Angeles.



Der einzige Song, den ich wirklich vermisst habe in diesem Sommer, ist "Spiders". Doch selbst dieser Traum wird irgendwann zu Ende gesponnen sein...  dreams are made winding through my head... 

Awake!

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